Nahezu jeder ausgewachsene Läufer operiert heutzutage lässig mit Begriffen wie „Haglund-Ferse“ oder „Negative-Split“. Weitgehend unbekannt sind dagegen die Wörtlichkeiten, die das Laufen an und für sich betreffen. Hier kommt Aufklärung.

Es gibt drei verschiedene Arten des Laufens. 1. Das Laufenlaufen, 2. Das Volkslaufen und 3. Das Winterlaufen.

Das Laufenlaufen

Beim Laufenlaufen handelt es sich um rhythmisches Fuß-vor-Fuß-Setzen zum Zwecke des Konditionsaufbaus oder -erhalts, der Wampenschrumpfung, des gegengeschlechtlichen Beeindruckens, der Psychotherapievermeidung, der Sauerstoffversorgung letzter Gehirnzellen, der Peristaltikmassage, des Wutabbaus, der Begleitung des Toilettengangs von Hunden, der Besichtigung der örtlichen Flora und Fauna sowie des Hinauszögerns des Verlusts von Schönheit und Verstand. Laufenlaufen wird fälschlicherweise oft als „Laufen“ bezeichnet, ein Begriff, der gerade in Abgrenzung zu den anderen beiden Arten des Laufens als unzureichend gelten muss.

Das Volkslaufen

Zum Volkslaufen benötigt man im Gegensatz zum Laufenlaufen eine Menge Volk, auch „Feld“ genannt. Weitere Kennzeichen des Volkslaufens sind: ein Start, ein Ziel, eine Zeitnahme, hamsterbaugroße Umkleideräume, kalte Duschen, Bonnie Tyler und Streuselkuchen. Auch beim Volkslaufen setzt man rhythmisch und nacheinander die Füße auf den Boden, jedoch mit deutlich mehr bpm. Eine entscheidende Rolle spielt außerdem der linke Arm, der nach jedem Kilometer leicht abgewinkelt nach oben gehalten wird, damit der Läufer sehen kann, wie spät es ist. Volksläufer leben nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Volkslaufkalender des Deutschen Leichtathletikverbands.

Das Winterlaufen

Das Winterlaufen ist benannt nach Ortwin Friedewald Winter, der diese Art des Laufens im 13. Jahrhundert einführte. Es handelt sich dabei um ein erotisches Hilfsmittel, das Läufern über alle Jahreszeiten hinweg, in Schnee, Eis und Grau die Lust am Laufen erhalten soll. Nach mehreren Tumulten innerhalb von Stadtmauern, bei denen sich Flanierende über rhythmische Keuchgeräusche unverhältnismäßig leicht bekleideter Männer und Frauen beschwerten, findet das Winterlaufen heute in der Regel im Wald statt. Bis heute dient das Winterlaufen ausschließlich dem Lustgewinn, weshalb es von emotional entfesselten Winterlaufanhängern in einer fortlaufenden Serie ausgeübt wird.

Das alles habe ich natürlich nur Wikipedes entnommen, kann es aber aus eigener Anschauung unterstreichen. Die Winterlaufserie in Hofheim-Lorsbach zum Beispiel, an der ich heute für den sagenhaften Betrag von 4 Euro teilnahm, ist ein Quell der Lauflust und Freude. Ich wollte lieber laufen als Fotos machen, aber vielleicht geben die nachfolgenden Impressionen trotzdem den Hauch einer Ahnung. Ich bin noch immer beseelt von so viel Sauerstoff, Wald, Berg und Streuselkuchen. Aber am meisten davon, dass ich nach einem halben Jahr Pause das erste Mal wieder (fast) 20 km gelaufen bin. Die Frisur und die Ferse hält.

„Alpenveilchen im Zwielicht“, nach einem Gemälde von Ortwin Friedewald Winter
Wer die traumatische, ähm traumhafte Steigung „Himmelsleiter“ nicht verpassen möchte, muss hier rechts.
Im Spätherbst beginnen die Becherbäume im Lorsbachtal zu knospen. Ein herrliches Schauspiel der Natur.
Wer hier nicht gern läuft, muss unbemerkt verstorben sein.
In der Ferne die beinahe letzte, kurze Steigung.
Tee, süß und warm. Nach 6,4 und 14,8 Kilometern.
Liebe. Wahnsinn. Advent.

5 Kommentare

  1. Das ist genau das, was ich von einem Lauf erwarte! Ich nehme mit großer Freude auch an größeren Veranstaltungen teil, aber so ein kleiner, idyllischer Lauf samt Streuselkuchen ist durch nichts zu ersetzen. Damit hast du mir gerade noch mehr Lust auf das kommende Laufjahr gemacht. Ich werde in meine Planung definitiv auch solche Läufe mit aufnehmen. Kein Stress, einfach nur mal laufen, weil man laufen will und lauter Gleichgesinnte. Einen schönen ersten Adventsabend wünsche ich.

  2. Keine Winterlaufserie?? Marion, wo um alles in der Welt wohnst Du? Das ist ja schrecklich!

  3. Ach wie nett… Ich freu mich schon wie ein Lebkuchen auf den Vorsilvesterlauf der, oh Wunder, am Tag vor Silvester stattfindet. Motto: Licht aus – Stimmung an. Die Gemeinde ist mit Fackeln beleuchtet, Bands geben gas und überall duftet es nach Glühwein und anderen erwärmenden Nahrungsmitteln. Herrlich. btw: Letztes Jahr war ich noch passiv dabei… Die Vorfreude ist groß.

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